Fachkräftemangel Bauwesen 2026: International rekrutieren

Hanna Kovacs

Hanna Kovacs

Product Manager, Global Mobility

Veröffentlicht am 1. Juli 2025·8 Min Lesezeit

Zuletzt aktualisiert: 20. Februar 2026

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Deutschlands Bausektor fehlen über 100.000 Fachkräfte. Wohnungsbauziele werden verfehlt, Infrastrukturprojekte stehen still und die Arbeitskosten steigen rasant. Internationale Rekrutierung ist nicht mehr optional — sie ist die primäre Lösung. Hier erfahren Sie, wie Unternehmen kritische Stellen durch Einwanderung besetzen und welche Visa-Wege zur Verfügung stehen.

Das Ausmass des Fachkräftemangels

Deutschlands Bauindustrie (Baugewerbe) beschäftigt rund 2,5 Millionen Menschen — und die Kluft zwischen Nachfrage und verfügbaren Arbeitskräften war noch nie größer:

  • Über 100.000 unbesetzte Stellen im Bau und verwandten Gewerken (Bundesagentur für Arbeit, 2026)
  • 45 % der Baufirmen geben an, dass der Fachkräftemangel ihr grösstes Geschäftsrisiko ist
  • Durchschnittliche Vakanzzeit: über 160 Tage für qualifizierte Handwerker — gegenüber 95 Tagen in 2019
  • Deutschlands Ziel von 400.000 neuen Wohneinheiten pro Jahr wurde seit seiner Festlegung jedes Jahr verfehlt

Die Ursache ist demografisch: Die Generation der in Deutschland ausgebildeten Handwerker geht schneller in Rente, als neue Auszubildende nachrücken. Und da immer weniger junge Deutsche einen handwerklichen Berufsweg wählen, kann die inländische Pipeline die Lücke nicht allein schließen.

Am stärksten betroffene Berufe

BerufMangel-SchwereTypischer Visa-Weg
ElektrikerKritisch§18a Fachkräfte-Visum
Sanitär-Heizung-Klima (SHK)Kritisch§18a Fachkräfte-Visum
ZimmererHoch§18a Fachkräfte-Visum
BauingenieureHochEU Blaue Karte
BauleiterHochEU Blaue Karte
SchweisserKritisch§18a / §19c(2) Erfahrung
BetonbauerMittel§18a Fachkräfte-Visum
KFZ-MechatronikerHoch§18a Fachkräfte-Visum

Die Lösung: Internationales Talent

Deutschlands novelliertes Fachkräfteeinwanderungsgesetz zielt gezielt auf den Handwerkermangel ab. Wichtige Bestimmungen für Bauunternehmen:

  • Erfahrungsbasierte Einstellung (§19c Abs. 2) — Arbeitnehmer mit 2+ Jahren Berufserfahrung können eine Arbeitserlaubnis erhalten, auch ohne formell in Deutschland anerkannte Qualifikationen
  • Westbalkanregelung — Staatsangehörige von Albanien, Bosnien, Kosovo, Nordmazedonien, Montenegro und Serbien können in jedem Beruf (einschliesslich Handwerk) arbeiten — nur mit einem Jobangebot und Zustimmung der Arbeitsagentur
  • Anerkennungspartnerschaften — Arbeitnehmer können sofort mit der Arbeit beginnen, während ihre Qualifikationen parallel in Deutschland formal anerkannt werden

Visa-Wege für Bauarbeiter

§18a — Fachkraft mit Berufsausbildung

Für Arbeitnehmer mit einer anerkannten oder gleichwertigen Berufsqualifikation. Die Qualifikation muss über das Anerkennungsgesetz oder die anabin-Datenbank geprüft werden. Dies ist der Standardweg für Elektriker, Sanitärinstallateure, Zimmerer und aehnliche Handwerksberufe.

Zeitrahmen: 8–16 Wochen · Kein Mindestgehalt für Handwerksberufe

EU Blaue Karte — für Ingenieure und Führungskräfte

Bauingenieure, Bauprojektmanager und andere Fachkräfte mit Hochschulabschluss qualifizieren sich für die Blaue Karte, wenn sie die Gehaltsschwelle erreichen (45.934 EUR als Mangelberuf 2026). Schnellster Weg zur Niederlassungserlaubnis.

Zeitrahmen: 5–12 Wochen · Gehalt: ab 45.934 EUR (Mangelberuf)

§19c(2) — Erfahrungsbasiert, ohne formale Qualifikation

Für erfahrene Arbeitnehmer ohne formell anerkannte Qualifikationen. Erfordert 2+ Jahre einschlägige Erfahrung und Nachweis der Kompetenz. Besonders nützlich für Schweisser, Baumaschinenführer und spezialisierte Handwerker aus Ländern, in denen das deutsche Anerkennungsverfahren langwierig ist.

Zeitrahmen: 10–20 Wochen · Zustimmungspflicht der Bundesagentur für Arbeit

Westbalkanregelung

Staatsangehörige von 6 Westbalkan-Staaten können in jedem Beruf mit nur einem Jobangebot arbeiten. Keine Qualifikationsanerkennung erforderlich. Es gilt ein jährliches Kontingent (25.000 Visa/Jahr), und die Arbeitsagentur muss zustimmen. Aeusserst beliebt für Bauberufe.

Zeitrahmen: 4–12 Wochen · Kein Mindestgehalt · Höhe Nachfrage — frühzeitig bewerben

Wie ein Unternehmen das Problem gelöst hat

Beispiel

Ein mittelständisches Bauunternehmen in Stuttgart benötigte 15 Elektriker und 8 SHK-Techniker für ein mehrjähriges Infrastrukturprojekt. Die inländische Rekrutierung hatte in 6 Monaten 2 Einstellungen ergeben. In Zusammenarbeit mit einem Relocation-Partner rekrutierten sie qualifizierte Handwerker aus Serbien (Westbalkanregelung) und den Philippinen (§18a nach Qualifikationsanerkennung).

Ergebnis: 20 Arbeitskräfte innerhalb von 4 Monaten vor Ort. Gesamtkosten pro Umzug (einschliesslich Visum, Flug und temporäre Unterkunft): ca. 3.500–5.000 EUR pro Arbeitnehmer — deutlich weniger als die Projektverzögerungskosten durch unbesetzte Stellen.

Erste Schritte

Wenn Ihr Bauunternehmen internationale Rekrutierung zum ersten Mal in Betracht zieht:

1

Den richtigen Visa-Weg identifizieren

Ordnen Sie jede Stelle dem passenden Aufenthaltstitel zu. Ingenieure → Blaue Karte. Handwerker → §18a. Erfahrene Arbeitnehmer ohne Papiere → §19c(2). Balkan-Länder → Westbalkanregelung.

2

Qualifikationsanerkennung frühzeitig starten

Für §18a kann das Anerkennungsverfahren 3–6 Monate dauern. Beginnen Sie vor der Rekrutierung, um Engpässe zu vermeiden.

3

Mit einer Recruitment-Agentur im Herkunftsland zusammenarbeiten

Agenturen auf den Philippinen, in Serbien und Indien sind auf das Vorscreening von Bauarbeitern für deutsche Unternehmen spezialisiert.

4

Unterkunft und Onboarding organisieren

Arbeitnehmer, die aus dem Ausland umziehen, brauchen temporäre Unterkunft, Anmeldungsunterstützung und eine grundlegende Orientierung. Hier unterschätzen die meisten Arbeitgeber den Aufwand.

5

Einen Relocation-Partner für den Visaprozess nutzen

Einwanderungspapierkram für 10+ Arbeitnehmer gleichzeitig ist komplex. Ein spezialisierter Partner übernimmt die Botschaftskoordination, Dokumentenvorbereitung und digitale Einreichungen bei der Ausländerbehörde im großen Maßstab.

Fazit

Deutschlands Fachkräftemangel im Bau wird sich nicht inländisch lösen. Der rechtliche Rahmen unterstützt internationale Einstellungen heute besser denn je — die Hürden sind operativer, nicht rechtlicher Natur. Unternehmen, die jetzt eine internationale Rekrutierungspipeline aufbauen, werden über Jahre hinweg einen strukturellen Vorteil haben.

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Über den Autor

Hanna Kovacs

Hanna Kovacs

Product Manager, Global Mobility

Professional experience across the US, Hungary, and Germany in product management and operations. Deep expertise in German immigration law and the regulatory landscape for skilled worker migration. At relokate, Hanna owns the product roadmap, drives platform automation, and develops the compliance frameworks and immigration content that HR teams rely on.

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